Muss der Bundesrat wegen dem tiefen € handeln?

Nach 911 stand die ganze Welt hinter den USA. Die Attacke auf die Twin-Towers war ein Schock. Amerika wurde auf eigenem Boden angegriffen. George W. Busch stand unter Zugzwang. In kurzer Zeit war der Übeltäter ausgemacht und zu Osama bin Laden kam noch Saddam Hussein dazu. Die Stimmung war eindeutig, jetzt muss zurückgeschlagen werden.

Aus heutiger Sicht wäre ein bedachteres Vorgehen wohl besser für die USA gewesen. Sogar in den USA ist diese Erkenntnis gereift. Gleichzeitig hätte „nichts tun“ den politischen Tod jeder Regierung bedeutet. Manchmal muss man einfach handeln, egal ob es vernünftig ist oder nicht. Der politische Druck ist zu gross.
Auch vom Bundesrat, insbesondere von Schneider-Ammann, erwarten viele Aktionismus. Es kann doch nicht sein, dass der Schweizer Franken immer stärker wird und niemand macht etwas. Doch der Bundesrat handelt nicht. Er entscheidet sich: Nichts zu tun. Was auch eine Entscheidung ist. Warum?

Währungsinterventionen sind relativ gut untersucht. Kurzfristig zeigen sie Wirkung, wenn mehrere Notenbanken koordiniert vorgehen. Der Effekt lässt schon nach wenigen Tagen nach und die Märkte bestimmen wieder, wo es lang geht. Leider oft abgehoben vom realen Geldfluss. So werde pro Tag ca. 250 Milliarden Schweizer Franken gehandelt. Stellt man sich diese Summe vor, wird einem schnell klar, da kann die Schweiz nicht viel machen. Vor einem Jahr intervenierte unsere Notenbank mit 1-2 Milliarde pro Tag. Das ist wie, wenn sich einer mit 10 Franken an den Pokertisch setzt und zum Millionär gegenüber sagt: Machen wir all in? Alleine hat die Schweiz keine Chance, etwas auszurichten. Dieses Geld ist herausgeschmissen.

Die Politik hat der Nationalbank nicht reinzureden

Gleichzeitig gibt es ein zweites Problem. Eine funktionierende Demokratie setzt auf Gewaltentrennung. Die Justiz ist bewusst von der Politik getrennt und so ist auch die Nationalbank unabhängig. Der Bundesrat darf der Nationalbank nicht vorschreiben, was sie zu tun hat. Sonst wird unser Franken ein Spielball von politischen Stimmungen. Davor müssen wir uns schützen.

Und jetzt?

JP wird überrascht sein, auch ich finde die Spekulationen nicht toll. Mittel-, langfristig muss eine Lösung gefunden werden. Sonst wird für die Schweiz eigene Währung sehr teuer. Der Schweizer Franken war schon immer ein sicherer Hafen in Krisenzeiten. In Zukunft wird er es noch mehr sein.

Vermutlich müssen wir die aktuelle Situation aussitzen und die guten Seiten sehen. Wir kaufen bei unseren Nachbarn mehr ein, als sie bei uns. Der Einkauf wird dadurch günstiger. Die Schweizer erhalten mehr Kaufkraft. Konsumenten und Einkäufer müssen darauf bestehen, davon zu profitieren. Und wenn wir es hinbekommen, statt auf wilden Aktionismus zu machen, sollten wir unsere Regierung darin unterstützten, dass sie auch weiterhin standhaft nur Aktionen anpackt, die auch etwas bringen und keine Scheinlösungen auf den Tisch legt.

Lieber jetzt keinen blinden Aktionismus, dafür langfristig international dafür sorgen, dass die Währungsspekulationen nicht unsere Volkswirtschaft kaputtmachen.

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