Integrative Schulung funktioniert - aber sie braucht Ressourcen

Seit längerem gilt die integrative Schulung als Zukunftsmodell. Nun stellt die NZZ in einem Artikel fest: "was in der Theorie gut klingt, gestaltet sich in de Praxis oft schwierig". Es fehle an ausgebildeten Lehrkräften und die Ressourcen seien mangelhaft (vgl. http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/die_schwierige_praxis_der_integrativen_schule_1.11509165.html).

Damit Integration funktioniert, müssen wir aber die Integrationsfähigkeit der Schulen stärken. Dies erfordert primär ein Umdenken an den Schulen und bei den Lehrpersonen. In der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wird heute die integrative Didaktik gelehrt und den künftigen Lehrpersonen vorgezeigt, wie sie in ihrem späteren Berufsalltag den Unterricht so gestalten können, dass sie der Heterogenität in ihren Schulklassen gerecht werden können. Damit ist nicht nur Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung gedient, sondern auch allen anderen Schülerinnen und Schülern, die eben auch entsprechend ihren Bedürfnissen und ihren Fähigkeiten geschult werden sollen.

Immer wieder wird die Befürchtung geäussert, dass vermehrte Integration zu einem Qualitätsverlust an den Schulen führen könne. Das muss nicht sein. Im Gegenteil „echte“ Integration kann die Qualität einer Schule durchaus fördern, dies belegen denn auch zahlreiche Studien.

Ich habe aber auch schon mehrfach betont, dass die Idee der Integration nur dann funktionieren kann, wenn wir sie nicht als versteckte Sparmassnahme umsetzen. Die Mittel, welche etwa durch die Aufhebung von Sonderschulklassen frei werden, dürfen keinesfalls dem Sparteufel zum Opfer fallen. Im Gegenteil, diese Mittel müssen auf die Regelschule umverteilt werden, damit sie dort zur Erhöhung der Integrationsfähigkeit und zur Etablierung einer Pädagogik der Vielfalt eingesetzt werden können.

Wirkliche Integration bedeutet nicht nur, Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf in die Regelklasse zu schicken. Integration bedeutet vielmehr, dass benachteiligte Kinder und Jugendliche gezielt unterstützt und gefördert werden, so dass sie die angestrebten Bildungsziele erreichen oder ihnen zumindest so nahe wie möglich kommen können. Integration bedeutet auch, dass Lehrpersonen, welche integrativen Unterricht machen, angemessen entlastet und in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Die Idee der Integration darf - bei den derzeitigen Satrtschwierigkeiten - nun nicht einfach aufgegeben werden. Vielmehr sollten wir nach Lösungen für die bereits erkannten Schwierigkeiten - die notabene primär struktureller Natur sind - suchen.

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