„let’s make money“ - wer für das gesamte Unglück der Welt verantwortlich ist

Wir Liberale sind für das gesamte Unglück der Menschheit verantwortlich. Hunger, Finanzkrisen, schlechte Löhne, Arbeitslosigkeit, stinkende Windeln. Punkt. Spätestens wer „let’s make money“ gesehen hat, kann – nein darf – nichts mehr anderes behaupten. JP hat mich aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen.

Als Erstes, als Filmliebhaber

Ich liebe Filme und „let’s make money“ ist richtig gut gemacht. Mit den vielen Aufnahmen, kurz bevor die Sonne aufgeht, den langen Szenen und den natürlichen Geräuschen erzeugt er eine starke Stimmung. Keine Erzählstimme und keine Musik, die uns führt. Nur Menschen, die ihre Meinung kundtun. Brillant. „let’s make money“ darf sich neben dem Guru des modernen Dokumentarfilms Michael Moore, dem Überraschungshit von Al Gore und dem Verschwörungsfilm „Zeitgeist“ einreihen.

Perfekte Propaganda

Seien wir ehrlich, wer will schon hungernde Kinder sehen. Wer findet nicht, dass die bösen Finanzhaie bestrafft werden müssen, wenn sie ganze Kommunen über den Tisch ziehen. Und ein Satz wie: „Letztlich zahlt es immer der kleine Mann„, ist einfach nur wunderbar. Perfekte Propaganda. Und damit kommen wir zur grössten Schwäche dieser Dokumentation. Der Autor hat eine klare Vorstellung von Gut und Böse. Der Neo-Liberalismus ist der Teufel höchstpersönlich. Und wir haben dies unkritisch zu glauben.

Dramaturgisch schwach, journalistisch wertlos

Hervorragende Filme bringen uns Menschen in Zwiespalt. Helden, die nur gut sind, Bösewichte, die nur schlecht sind, waren zu Anfangszeiten von James Bond o.k. Heute aber müssen Helden selbst gebeutelt sein, vielleicht müssen sie etwas aus der Vergangenheit gut machen und Bösewichte sind auch nicht nur böse. Vielschichtige Figuren und unterschiedliche Blickwinkel sind für uns Zuschauer interessant, spannend und fesselnd. Wer nicht umgehend der These: Böser Neo-Liberalismus verfällt, muss sich durch die über zwei Stunden Film durchquälen. Es fehlt völlig die Spannung. Der Film lässt nicht ein gutes Haar am Neo-Liberalismus. Und seien wir ehrlich, gibt es etwas, das nur schlecht ist?

Wenn ich die Dokumentation als journalistisch wertlos abtue, dann, weil ich an einen Journalisten Mindestansprüche stelle. Ich produzierte und moderierte selbst während drei Jahren eine TV-Sendung auf Startv und durfte auch schon für den Kassensturz arbeiten. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schnell einem die Leute glauben, nur weil man im Fernsehen ist. Wer einen Film dreht, und ihn im öffentlich rechtlichen Fernsehen ausstrahlt, hat eine besondere Verantwortung und diese hat „let’s make money“ aus meiner Sicht nicht wahrgenommen.

Die Dokumentation vermischt das Verhalten der Weltbank hemmungslos mit der Gier und dem Unwissen deutscher Kommunalpolitiker und macht dafür den Neo-Liberalismus verantwortlich. Er wirft die Arbeitsbedingungen illegaler Einwanderer in Spanien mit der angeblichen Medienmacht, die heute entscheide, wer an die politische Spitze kommt in einen Topf. Nie zeigt er auf, warum und wie diese Dinge miteinander zusammenhängen. Sie müssen es einfach. Punkt.

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