Regen Kameras zu Gewalttaten an?

Ein interessanter Artikel stellt die These auf, dass Kamerabilder Gewalt fördern und nicht etwa abschreckend wirken: Der Freitag: Im Glanz des Kamera-Auges [1]. Die nachvollziehbare Begründung liegt darin, dass durch die Verbreitung der Kamerabilder Taten und Täter berühmt gemacht werden, was in der krankhaften Selbstbezogenheit der Gewalttäter durchaus erwünscht ist. Solch schwere Gewalttaten werden durch die Verbreitung in den Medien berühmt und regen zur Nachahmung an. Durch ihre schockierende Wirkung geben sie die Vorlage für weitere Taten ab. Es entsteht das «Mem» einer bestimmten Tat, die Gesellschaft lernt, dass man unter den gegebenen Voraussetzungen mit den entsprechenden Taten reagieren kann.

Auf die genau gleiche Weise funktionieren Amokläufe: Die Täter erzwingen weltweite Aufmerksamkeit, eine Aufmerksamkeit, die sie im positiven Sinne nie erreichen könnten. Wer sich vernachlässigt fühlt, sehnt sich um jeden Preis nach Aufmerksamkeit, auch wenn sie noch so negativ geäussert wird und im Fall von Amokläufen den eigenen Tod zur Folge hat.

Um dieser Gewaltspirale zu entkommen braucht es unübliche Massnahmen:

  1. Kameras entfernen
  2. Die Medien halten sich in der Berichterstattung über solche Taten zurück
  3. Die Täter werden konsequent zur Rechenschaft gezogen

Wenn die Täter erst gar nicht gefilmt werden und die Berichterstatttung über den X-ten Schläger oder Amokläufer verebbt, sinkt auch das perverse Verlangen auf solche Weise Aufmerksamkeit zu erlangen.

[1] http://www.freitag.de/positionen/1120-im-glanz-des-kamera-auges

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