Der geordnete Ausstieg ist machbar, man muss ihn nur wollen.

Der BDP wird vorgeworfen, sie betreibe eine Windfahnenpolitik, weil sie als bürgerliche Partei für den geordneten Ausstieg aus der Kernenergie gestimmt hat. Diese Haltung beurteile ich nicht als Windfahnenpolitik, sondern als weitsichtige Politik. Denn das Volk würde bei einer Abstimmung ein neues Kernkraftwerk ablehnen. In der Energiediskussion wird auf alle Seiten übertrieben: Der Ausstieg aus der Kernenergie sei nicht möglich, heisst es. Oder es drohe keine Stromlücke. Oder der Atomausstieg ist bis 2015 möglich. Das ist alles falsch.

Technisch ist der Ausstieg aus der Kernenergie möglich. Die 26 TWh aus den Kernkraftwerken können bis 2050 mit Fotovoltaik, Wind, Biomasse, Kleinwasserkraft und Geothermie ersetzt werden. Gleichzeitig müssen jedoch die Kapazitäten der Pumpspeicherkraftwerke ausgebaut werden, da nicht die gesamte Energie als Bandenergie anfällt. Da Mühleberg und Beznau vermutlich früher vom Netz gehen, wird man kaum um Gaskombikraftwerke herum kommen. Die Schweiz tut gut daran, die Versorgungssicherheit hoch zu halten und in der Schweiz stets genügend Kraftwerksleistung zu haben. Das Stromnetz der Schweiz muss für dieses neue Versorgungskonzept umgebaut werden. Dies ist technisch über diesen Zeitraum problemlos machbar.

Dann ist ja alles kein Problem. Würde man meinen. Wären da nicht der Strompreis und die Gesetze und die Politiker.

Da die Produktion des Stroms mit erneuerbaren Energien über viele kleinere Kraftwerke erfolgen wird, erhöhen sich die Produktionskosten des Stromes eindeutig. Ein hoher Strompreis belastet wiederum die Wirtschaft. Das kann niemand wegdiskutieren. Auf der anderen Seite, wenn man sieht, dass Deutschland den gleichen Weg geht, dann hat die Schweiz im Vergleich mit Deutschland keinen Wettbewerbsnachteil. Dass die Schweiz in Umweltfragen im Gegensatz zu osteuropäischen Ländern eine Vorreiterrolle spielt, ist gut und soll so bleiben. Der Umweltschutz ist auch ein Standortfaktor. Der Weg der erneuerbaren Energien und des Energiesparens ist eine Chance für viele KMUs. Das Schweizer Gewerbe wird beim Bau von Anlagen mit erneuerbarer Energie stärker profitieren, als beim Bau eines KKW, bei welchem die grossen Aufträge ins Ausland vergeben werden. Für die Gesamtwirtschaft ist also die Umstellung von Kernkraftwerken auf erneuerbare Energien nicht per se etwas Negatives.

Wenn ich oben geschrieben habe, dass der geordnete Ausstieg technisch möglich sei, wollte ich damit keinesfalls gesagt haben, dass er einfach zu realisieren sei. Es braucht grosse Anstrengungen, um dieses Ziel zu erreichen. Ganz freiwillig wird es nicht zu erreichen sein. Gebäudesanierungen und ein hoher Standard an Wärmedämmung für neue Gebäude werden unabdingbar sein. Hierzu braucht es Gesetzesänderungen. Vielleicht haben Sie es bemerkt. Ich habe einen Schwenk auf Wärmeenergie gemacht. Dies weil man die Elektrizität nicht alleine betrachten darf. Man muss die Gesamtenergie betrachten. Es macht keinen Sinn in einem Neubau eine Ölheizung zu installieren. Wenn man einen Liter Öl in einer WKK Anlage zur Stromproduktion und Wärmegewinnung einsetzt, holt man viel mehr Energie raus. Mit dem Strom betreibt man dann wiederum eine Wärmepumpe und gewinnt so mit der Umgebungswärme noch hinzu. So wird der Stromverbrauch auch in Zukunft weiter steigen. Heizöl, welches früher mit niedrigem Wirkungsgrad verbrannt wurde, wird künftig effizienter zur Stromproduktion mit Restwärmenutzung eingesetzt werden. Gesetzesänderungen braucht es auch im Baubereich. Es darf nicht sein, dass Sonnenkollektoren und Fotovoltaik durch Baugesetze verhindert werden. Einzig in historischen Altstädten sehe ich das ein. Aber auch die Stromleitungen müssen künftig ohne die viel zu langen Bewilligungszeiten gebaut werden können.

Mein Fazit: Würden wir die Techniker die Energiepolitik machen lassen, gäbe es keine Diskussionen darum, ob der Ausstieg machbar sei oder nicht. Es ginge nur darum bis wann er umgesetzt ist. Ich persönlich bin Elektrotechniker und Politiker und sehe, dass es nicht einfach werden wird.

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