Die Online-Demokratie ist die direkt möglichste Demokratie, die man sich vorstellen kann. Ich wundere mich, dass bei Politnetz darüber nicht debattiert wird.

Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz mit einer Spitzenrangierung ab in Bezug auf die Infrastruktur. In keinem Land der Erde haben mehr Menschen Zugang zu einem PC und zum Internet als in der Schweiz. Das ist eine erfreuliche Tatsache. Beschämend aber ist, dass bei allen anderen Vergleichen im Bereich Internet, Verwaltung und Politik die Schweiz zum grauen Mittelfeld gehört. Hinter der Schweiz liegen nicht einmal "nur" die Entwicklungsländer, sondern natürlich jene, die kein Interesse an Demokratie haben. Auch dort wo man meinen könnte, die Schweiz müsste zur Spitze gehören, ich denke da etwa an eHealth, muss man ganz weit hinten suchen. eHealth ist in der Schweiz nicht einmal ein Thema. eHealth wird von Ghana angeführt.
Nicht viel anders sieht es bei eVoting aus. Das gibt es in der Schweiz nur als Pilotversuche. In Dänemark wird faktisch nur noch via Internet gewählt und abgestimmt. Ich weiss nicht, warum das hier bei uns schlicht keine Thema ist. Sind die SchweizerInnen einfach demokratiemüde und wollen sich mit der Gestaltung unseres Landes etwa gar nicht mehr auseinander setzen?

Demokratie ist ja nicht nur abstimmen und wählen. Demokratie ist sich mit den Dingen auseinandersetzen, sich eine Meinung zu bilden und hinzustehen für diese möglichst doch faktenorientierte Haltung. Das Internet würde uns dabei genial unterstützen. Wer sich mit einem politischen Thema à fond auseinandersetzt, kann dazu einen Blog führen oder bei Wikipedia eine eigene Seite kreieren und betreuen. Plattformen wie diese hier könnte darauf verlinken. Wir könnten unsere Beiträge gegenseitig verlinken und so ein netz spannen. Auf diese Weise würden viele an einem Konsens arbeiten, der am Schluss die Abstimmung zur reinen Formsache machen würde.

Wir könnten in unseren Gemeinden eigene Community-Plattformen aufbauen und die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung so gut kennen lernen wie auf unseren Facebook-Profilen. Statt zu wissen, welche Party hunderte, tausende Kilometer von uns entfernt organisiert wird, könnten wir uns hier wieder etwas mehr verpflichten. Wir könnten unsere Demokratie dank den technischen Möglichkeiten des Internets so direkt und unmittelbar gestalten wie wir nur wollten und uns jeder Polemik entziehen.
Wäre dann die Online-Demokratie nicht ein Segen?

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