Wenn ärztliche Gutachten und Richter vermehrt über die Promotion von SchülerInnen entscheiden, werden Prüfungen ad absurdum geführt.

Das Verwaltungsgerichtsurteil demnach ein Gymnasiast mit diagnostiziertem ADHS an promotionsrelevanten Prüfungen Sonderbedingungen erhalten soll, zeigt, dass nun auch Promotionsentscheide vermehrt durch Gerichte und ärztliche Gutachten korrigiert werden. Indem dieser Entscheid durch die Medien verbreitet wird, werden sich weitere Eltern ermuntert fühlen, für ihre Schützlinge vor Gericht zu gehen, anstatt die pädagogischen Entscheide von doch drei professionellen Instanzen zu akzeptieren.
Diese Entwicklung führt zu einer breiten Palette an Anspruchsberechtigten: Wenn nämlich ADHS als Begründung herangezogen wird, an Prüfungen ein grösseres Zeitbudget zu erhalten, müsste dies folgerichtig auch Schülerinnen oder Schülern mit Migrationshintergrund zugestanden werden, wenn diese zwischen ihrer Muttersprache und Deutsch wechseln müssen - analog dem Wechsel der ADHSler zwischen Division und Multiplikation. Oder Perfektionisten müssten für den Aufsatz mehr Zeit erhalten, weil diese sonst in Zeitnot kommen könnten...
Wenn eine Schülerin oder ein Schüler an ADHS leidet, ist das eine Beeinträchtigung wozu es verhaltenstherapeutische oder, allerdings zu recht kritisch beurteilte medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten gibt. Diese entsprechen der von ADHS-Arzt Hannes Geiges zitierten Brille für Sehbehinderte, dürfen aber nicht zu Sonderbehandlungen an Prüfungen führen.

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