Stimmbeteiligung: Angst, Wut und persönliche Interessen sind entscheidend!

Bildungsferne Schich­ten wählen nicht immer linke Par­tei­en. Sie wählen emo­tio­nal. Im Glücksfall er­ken­nen sie, wel­che Par­teien ihre persönlichen In­ter­es­sen ver­tre­ten (Par­teien mit so­zia­len For­de­run­gen). Wenn es an­de­ren Par­teien (z. B. SVP) ge­lingt, Angst und Res­sen­ti­ments über The­men von klei­ner rea­ler po­li­ti­scher Be­deu­tung zu we­cken (z. B. Mi­na­ret­t-Ab­stim­m​ung), ist es schon möglich, dass sie auch bei Wahlen sol­che Par­teien wählen, die höchstens vor­ge­ben, so­ziale An­lie­gen zu ver­tre­ten.

Ganz kritisch wird es für die Linke aber, wenn sie bestreiten, dass politische Fragen von grosser realer Bedeutung (EU-Beitritt, Personenfreizügigkeit​, Ausländerkriminalität​) die Unterprivilegierten in ihrem heute schon kritischen Status noch stärker gefährden oder bedrohen könnten. Die Linke darf sich nicht wundern, wenn ihr aus ideologischen Gründen gepredigter Internationalismus bei Unterprivilegierten nicht ankommt und sie ihrer Angst und Wut folgen und jene Parteien wählen, die ihnen Stabilität und Sicherheit versprechen.

Beide Effekte wirken sich auch auf die Stimmbeteiligung aus. Wehe wenn sich auch noch jene an Abstimmungen beteiligen, die sich bisher aus prinzipiellen oder intellektuellen Gründen nicht am politischen Betrieb beteiligen wollten oder konnten. Wenn diese Schichten auch noch emotional gereizt werden, werden Abstimmungen noch manche Überraschungen bringen. Dies ist übrigens auch ein wichtiger Grund, wieso andere Länder auf direktdemokratische Instrumente verzichten. Einen kleinen Anschauungsunterricht​ bezüglich emotional geführten Debatten und entsprechenden Abstimmungsergebnisse​n bieten auch Gemeindeversammlungen​.

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