Immobilien und Land sind nicht primär Anlage- und Profitobjekte, besonders nicht Wohnzonen und Wohngebäude. Der Wohnungsmarkt ist kein Spekulationscasino.

Nicht nur Bauboom sondern auch Aufwertung von bestehendem Wohnraum führt zu steigenden Mietzinsen.

Ausserdem gibt es immer wieder Fälle, da Mieter ihre Wohnung verlieren, weil ein Gebäude einschliesslich alle Wohnungen totalsaniert wird.
Dass nicht alle Mieter auf Anhieb eine neue, geeignete Wohnung finden, ist klar. Ein drastisches Beispiel liefert folgender Bericht des Tagesanzeiger Online: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Armutsfalle-Wohnungswechsel/story/12067188 Dass nicht alle Mieter sich die heutigen totalsanierten Mieten leisten können, ist ebenfalls klar.

Der Profitorientierte Umgang mit Land und Immobilien steigert die Preise auf dem Wohnungsmarkt. Dies zeichnet sich besonders darin ab, dass Immobilien von profitorientierten Investoren einen weitaus höheren Durchschnitsmiete aufweisen als Immobilien von nicht-profitorientierten Liegenschaftseigentümern (Genossenschaften etc.), siehe TA Online-Bericht: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Was-vier-Zimmer-wirklich-kosten-/story/14050500

Der freie Markt ist somit lustig und rentabel für diejenigen, die sich Besitzer von Grund, Boden und Immobilien nennen und die ihre Objekte als Investitionsobjekte führen.
Für immer mehr Mieterinnen und Mieter hingegen ist dieser freie Markt alles andere als lustig. Deutschland: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Experten-warnen-vor-grauer-Wohnungsnot/story/18074136 Welcher Immobilienspekulant profitiert schon davon, dass er im grossen Stil altersgerechte Wohnungen baut? Der Markt löst bei weitem nicht jedes Problem genügend!

Der Markt mag vieles gut oder gar optimale regeln. Gewisse Bereiche der menschlichen Existenz und der Gesellschaft muss man ihm jedoch entziehen, weil er in diesen Bereichen versagt und weniger Probleme löst als er neue schafft.
Der Wohnungsmarkt hat eine eine primäre Aufgabe: angemessenen Wohnraum für alle bereitstellen. Ein Teil der Immobilienbesitzer sieht in diesem Markt aber eine andere primäre Aufgabe: maximalen Profit abzuwerfen. Die Konsequenzen lassen nicht auf sich warten, sie sind gegenwärtig immer wieder Thema in Medien und Politik.

Reden wir doch einmal über die Externalitäten, die Immobilienspekulanten produzieren und wen diese Externalitäten treffen: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Mit-95-muss-Herr-Fischer-auf-Wohnungssuche-/story/11301965
Interessanterweise interessieren sich Immobilienspekulanten genauso wenig wie jedes andere profitoptimierte Unternehmen für menschliche Schicksale. Und damit auch nicht für die Externalitäten, ihres Profitwirtschaftens.

Es ist klar, dass die "Bürgerlichen" keine Regulierung des Bau- und Wohnungsmarkts wollen. Sie wollen den Markt die Probleme lösen lassen. Aber wer kommt für die Kosten der von diesem Markt produzierten Externalitäten auf? Das Sozialamt?
Der Tagesanzeiger hat den "Bürgerlichen" hier ein paar Antworten aus der Nase gezogen: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Die-Wohnungsnot-und-die-Buergerlichen/story/24028127

In gewissen Fällen wird sicher das Sozialamt zuständig. Das ist so. Wo Sie sogenannte "working poor" haben, die vielleicht wegen steigender Wohnungsmiete mit ihrem Lohn unter das Existenzminimum fallen, entsteht Anspruch auf entsprechende Sozialhilfe. Das Gemeinwesen bezahlt in solchen Fällen aber in die Tasche der Immobilienspekulaten (und den von Lohndumping profitierenden Arbeitgebern). Und dank der Rückzahlungspflicht von Sozialhilfe verschuldet sich der "working poor" dabei erst noch, er legt also drauf, dass er unter dem Hund arbeitet und den Spekulanten das Leben in Saus und Braus finanziert...
Man sollte den Markt nicht schönreden, wenn er solche Züge annimmt. Denn da stimmt offenbar schon lange etwas nicht. Natürlich, man kann jetzt noch verlangen, dass "working poor" bei steigenden Mieten eine neue Wohnung suchen, wie alle anderen auch. Sie müssen ja nur den Umzug bezahlen. Und vor allem müssen sie eine neue, bezahlbare Wohnung finden. Vielleicht weiter weg von ihrer Arbeitsstelle. Konkret ziehen sie in die Agglomeration, müssen mehr für das ÖV-Billet zur Arbeit berappen. Und in Zürich konzentrieren sich die reichen Ausländer in teuren, auf den neusten Stand des Luxus sanierte Luxuswohnungen. Wann werden Amerikanisch und Hochdeutsch zu Quartiersprachen in Zürich?
Ausserdem: steigt die "ortsübliche Miete" infolge der Teuerung auf dem Wohnungsmarkt, muss auch das örtliche Sozialamt die Mietgrenze für von der Sozialhilfe getragenem Wohnraum anheben. Und zahlt wieder in die Tasche der Spekulanten.

Wer das Problem also mit Subventionen für finanziell Benachteiligte Mieter lösen will und teuren Wohnraum für sie durch Stiftungen oder Sozialversicherungen erschwinglich machen will, finanziert einfach den Immobilienspekulanten das Leben in Saus und Braus aus der Staatskasse oder durch Stiftungen.
Will man hingegen den Markt alleine das Problem lösen lassen, spielen menschliche Schicksale keine Rolle: wer die Miete in Zürich nicht mehr zahlen kann, muss halt gehen, und reiche Ausländer, die erst noch "gute Steuerzahler" sind, ziehen ein. Ist doch flott, oder? Die können ja dann die Steuern zahlen, mit denen man den Armen den Wohnraum subventioniert...

Fazit: Immobilien und Land sind nicht primär Anlage- und Profitobjekte, besonders nicht Wohnzonen und Wohngebäude. Der Wohnungsmarkt ist kein Spekulationscasino. Bloss versteht der "Markt" das nicht. Wie bringt man das dem Markt aber trotzdem bei? Antwort: man reguliert ihn mit Gesetzen, die eine Mehrheit befürwortet. Zum Beispiel: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/SP-Zuerich-fordert-Zuger-Modell-gegen-Wohnungsnot/story/22671560
Fragt sich nur, ob diese Lösung eine Mehrheit findet. Es fragt sich, ob die "Bürgerlichen" wirklich eine Lösung wollen. Wie der Tagesanzeiger feststellt haben sie praktisch keine eigen Lösungen. Man darf gespannt sein, ob sie sich ihre "Lösung" darauf beschränken wird, den pragmatischen Ansatz der SP zu bekämpfen...

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