Die Legalisierung der derzeit als Betäubungsmittel verbotenen Drogen legt den Sumpf der organisierten Drogenkriminalität trocken.

Für und Wider des Drogenkonsums ist eine Diskussion für sich. Ob Drogen zu legalisieren sind oder nicht, ist hingegen eine ganz andere Frage, die unter Einbezug ganz anderer Faktoren als nur der unmittelbaren gesundheitlichen Gefahren des Drogenkonsums zu erörtern ist.

Auf der einen Seite steht eine Liste von Substanzen, welche das Betäubungsmittelgesetz für verkehrsunfähig erklärt. Manche dieser Substanzen sind wohl psychoaktiv, aber sie machen nicht süchtig, zum Beispiel das in der Schweiz vom Schweizer Chemiker und Forscher Dr. Albert Hofmann entdeckte LSD, welches ursprünglich unter dem Handelsnamen Delysid von der Firma Sandoz (heute Novartis) für diverse medizinische und psychologische Anwendungen vorgesehen war und vertrieben wurde. Aber auch Psilocybin/Psilocin oder Meskalin gehören zu diesen psychoaktiven Substanzen, die als nicht verkehrsfähig gelten, obwohl sie nicht süchtig machen. Natürlich gibt es gute Gründe, den Verkehr mit diesen Substanzen zu regulieren oder gar zu verbieten: sie greifen in die Psyche ein und verändern während der Wirkungsdauer die Wahrnehmung, dies auch individuell unterschiedlich und somit im Allgemeinen schwer berechenbar. Weitaus schwächer psychotrop wirksam ist THC, das - wie Psilocybin/Psilocin oder Meskalin übrigens auch - natürlich in Pflanzen der Erde vorkommt. Im Unterschied zu Opium, Heroin oder Kokain auf der anderen Seite machen diese Substanzen aber körperlich nicht abhängig, und sie führen deshalb auch nicht in eine Sucht und über diese zu körperlichem Zerfall.
Wenn man bedenkt, wie schwer Nikotin und Alkohol abhängig machen und wie schwer die gesundheitlichen Schäden infolge von chronischer Alkohol- und/oder Raucherkrankheit sind, stellt sich schon die Frage, wie in aller Welt der Gesetzgeber dazu kommt, einen vergleichsweise harmlose, natürliche Substanz wie THC zu verbieten und gleichzeitig grosszügig Alkohol auszuschenken. Einen Teil der Antwort auf die Frage gibt wohl die Erfahrung mit der Alkoholprohibition in den USA.

Ob der Konsum von Halluzinogenen wie LSD, Psilocybin/Psilocin oder Meskalin gut ist oder nicht, bleibe dahin gestellt. Erwiesen ist, dass diese Substanzen nicht suchtgefährdend sind, aber stark auf die Psyche einwirken. Dies birgt andere Probleme in sich als Heroinabhängigkeit. Am besten hören Sie sich dazu Dr. Albert Hofmann persönlich an:

Wer ein Drogengesetz befürwortet, das auf der Natürlichkeit der Substanzen beruht und also Naturstoffe erlaubt und das Inverkehrbringen raffinierter Substanzen untersagt, würde damit nicht nur THC sondern unter anderem auch Psilocin/Psilocybin und Meskalin aber auch Opium legalisieren, während aus natürlichen Ausgangsstoffen raffinierte Produkte wie Kokain und Heroin aber auch das halbsynthetische LSD (das nicht natürlich vorkommt) und sämtliche synthetischen "Partydrogen" verboten bleiben. Offensichtlich würde man bei einem solchen Ansatz das natürlich wachsende Opium wegen der Suchtwirkung unter Verschluss halten wollen und LSD womöglich mit THC, Meskalin und den Pilzwirkstoffen gleichgestellt freigeben, um mit dieser Ausnahme quasi die Regel zu bestätigen.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot und somit den Markt. Es ist dies ein Axiom unserer Gesellschaft. Auf diesem Axiom baut unsere Marktgesellschaft auf. Es darf uns deshalb nicht erstaunen, dass trotz Verboten sämtliche verbotenen Betäubungsmittel auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind.
Schwarzmarktprodukte weisen entsprechend Schwarzmarktqualität auf, das heisst, dass es keine staatlichen Aufsichtsbehörden gibt, welche die Qualität der Ware prüfen. Dies war eines der Hauptargumente der Haschlegalisierer für die letzte Legalisierungsinitiative. Der Drogenschwarzmarkt verdient sein Geld aber nicht primär mit Exoten wie LSD, Pilzgiften oder Meskalin, sondern mit THC, Kokain, Partydrogen wie MDMA - und Heroin.

Laut dem Tagesanzeiger Online hält "ein hochkarätig besetztes Gremium aus ehemaligen Politikern, Geschäftsleuten und Schriftstellern" den globalen Krieg gegen die Drogen für gescheitert (siehe: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-jahrzehntelange-Krieg-gegen-die-Drogen-ist-verloren/story/24373307). Was diese Kommission feststellt, ist an sich nichts neues. Es war schon vor 10 Jahren bekannt. Oder noch früher. Die Frage nun ist, wie lange es ab heute nochmals dauern wird, bis die alten "Chläuse" in der Politik schalten. Vermutlich wird sich erst etwas tun, wenn eine neue Generation von Politikern in den Parlamenten die Mehrheit bildet. Die Einstellung zur Drogenpolitik scheint weniger eine ideologische als viel mehr eine Generationenfrage zu sein. Bis es soweit ist, wird man hierzulande wohl weiter munter Hanfbauern wie Rappaz drakonisch mit Haft bestrafen - und damit in schildbürgerlichster Manier der ausländischen Drogenmafia das Feld frei räumen. Um die Drogenmafia zu bezwingen, besonders die ausländische, gibt es nur ein einziges Mittel: Legalisierung von aus inländischer Produktion stammenden Betäubungsmitteln Hand in Hand mit einer bedarfsgerechten und sozialverträglichen Regulierung der Produktion, des Handels und Konsums. Wer der Meinung ist, die Drogenmafia und die in ihr herrschende und die von ihr verbreitete Kultur der Gewalt sei kein wirkliches Problem, auch langfristig nicht, kann natürlich weiter stur auf der Verbotspolitik beharren: die Nachfrage wird trotzdem das Angebot bestimmen.

Eine Legalisierung wird eine Integration dieser Stoffe erfordern, eine offizielle gesellschaftliche Integration. Und gerade davor fürchten sich mutmasslich die meisten: Etwas, das gesellschaftlich verpönt ist - und aus gutem Grund auch verpönt ist, denn dadurch dass es verpönt ist, ist es für die meisten sicher ausser Reichweite -, kann man schwer von heute auf morgen salonfähig machen. Das schiene ja irgendwie heuchlerisch, nicht? Dazu ist es eben doch zu verpönt. Gleichwohl nützen solche Eitelkeiten nur jenen, die vom Schwarzmarkt profitieren, der Drogenmafia. Es wird über kurz oder lang also tatsächlich darum gehen, Modelle zu installieren, die der Gesellschaft einen aufgeklärten, ungezwungenen und sicheren Umgang mit schwer suchterregenden Betäubungsmitteln wie Kokain und Heroin und gewisse synthetische "Partydrogen" einerseits und andererseits nicht süchtig machenden, natürlichen oder halbsynthetischen psychoaktiven Stoffen wie zum Beispiel THC gestattet. Diese Substanzen sind jedoch keine Spielzeuge. Und in unserer Konsumgesellschaft besteht tatsächlich die Gefahr, dass gewisse kompliziertere Stoffe durch freien Zugang mehr Schaden anrichten als dass sie nützen. Die Regulierung des Verkehrs mit diesen Substanzen muss also prioritär auf Aufklärung und Information aufbauen, die Verfügbarkeit mit Aufklärung einher gehen. Das Ziel ist also, für im Grunde genommen jede Substanz individuell ein Modell für eine regulierte, sozialverträgliche Integration in die Gesellschaft zu schaffen.

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