Heiratsverbot und Scheinehe: Wo finden Liebespaare die Lizenz zum Heiraten?

Ich bin nicht in der Politik, oder Mitglied in einer Partei. Ich bin 'nur' eine Frau, die ihren Verlobten heiraten möchte. Dummerweise wurde mein Verlobter in einem 'Drittstaatenland' geboren, nämlich in Afrika. Durch das neue Asylgesetz wurde er zu einem der vielen Sans Papier, er gab seinen N Ausweis sogar selber auf dem Migrationsamt ab, weil er dazu aufgefordert wurde. Ich hätte diesen einfach behalten.

Als wir uns kennenlernten, wohne er bereits in einem Asylheim, oder Durchgangszenter, wie es auch genannt wird. Der erste Satz von ihm zu mir war, dass er ein Sans Papier ist, vielleicht wollte er mir damit die Möglichkeit geben zu fliehen. Ich blieb aber sitzen, weil mir dieser Mann durch seine offene Art sehr sympathisch war. Aus dieser Sympathie wurde Liebe, was ja etwas sehr schönes ist. Mein zweiter Name ist Misstrauen und natürlich wollte ich herausfinden, ob er aus Liebe bei mir ist oder nur wegen einem Aufenthalt.

Wir lernten uns kennen, gründlich kennen, natürlich gab es auch Streit, wie bei jedem normalen Paar. Ich gehöre zu den Schein Invaliden, wie die SVP Menschen mit psychischen Leiden nennt. Leider sind psychische Probleme nicht sichtbar und schon gar nicht übertragbar. Dem einen oder anderem würde es ganz gut tun, nur eine Woche lang so zu leben. Mein Verlobter wurde ohne Vorwarnung damit konfrontiert, er fing an zu weinen. Nicht weil er seine Aufenthaltsbewilligung in Gefahr sah, sondern weil die Frau, die er liebte leidet. Meine Stimmungsschwankungen und Abstürze in Hoffnungslosigkeit sind nicht einfach zu ertragen. Er half mir, ohne das ich ihn darum bitten musste, er war einfach da.

Die Organisation der Papiere war sehr schwer und es gab immer wieder Rückschläge. Warum er diese nicht selber organisierte in seiner Heimat? Wir hatten grosse Angst, dass er kein Visum mehr bekommt und wir längere Zeit getrennt sind. Das war das schlimmste, unsere grösste Angst. Schon lange wohnte er bei mir, hatte einen Hausschlüssel und ich gab ihm, ohne zu zögern meinen Code für meine Bankkarten. Nie hat er mein Vertrauen enttäuscht, er bewies mir seine Liebe immer wieder auf's neue.

Als wir seinen Pass auf dem Standesamt brachten und auch er endlich sein Formular für die Einleitung der Ehevorbereitung unterschreiben konnte, wurden wir angewiesen nicht miteinander zu sprechen. Der Pass war eine Fälschung, von der wir nichts wussten. Wir waren geschockt und enttäuscht, hätten wir gewusst das der Pass falsch ist, hätten wir diesen nie abgegeben. Im Januar um 8 Uhr standen dann zwei Beamte vor meiner Türe, die sich sehr eindringlich um Einlass bemühten. Ich hatte Angst, dass meine Haustüre dabei kaputt ging. Er wurde verhaftet, wegen Urkundenfälschung und natürlich illegalem Aufenthalt. Mir wurde verboten unseren Anwalt zu informieren, das Telefon wurde mir aus der Hand gerissen. Ich hatte einen halben Nervenzusammenbruch, der auch kommentiert wurde. 'Sind Sie endlich ruhig, Sie sind selber schuld. Sie hätten wissen müssen, das es soweit kommt!' Ich wollte in die Küche und meine Medikamente nehmen, es wurde mir zuerst verboten. Erst als ich drohte, das dies ein Nachspiel haben würde, durfte ich in meine Küche, natürlich unter Beobachtung. Meine Familie stand mir bei, trotzdem fiel ich in ein tiefes Loch, nichts von ihm zu hören und nicht um mich zu haben war schrecklich. Ich schrieb ihm viele Nachrichten, obwohl ich doch wusste, dass sein Handy nicht an war.

Nach einigen Tagen hatten wir uns wieder und wieder fing das Organisieren eines neuen Passes an. Wieder fanden wir jemanden. Doch diesmal waren wir schlauer und besuchten die Botschaft seines Landes, die uns aber auch keine Antwort geben konnte. Inzwischen gab unser Anwalt beim Migrationsamt ein Gesuch für eine Aufenthaltsbewilligung ein, der natürlich abgelehnt wurde. Ein Rekurs wurde geschrieben, wir hatten Hoffnung. Und wir fanden ein Anwalt in seinem Geburtsort, der den Pass überprüfen liess. Auch dieser war eine Fälschung und zeitgleich wurde der Rekurs abgewiesen. Wir hatten grosse Angst wieder getrennt zu werden. Doch dann beschlossen wir weiter zu kämpfen.

Er stellte den Mann, der im übrigen im selben Land geboren wurde wie er, zur Rede. Dieser Mann hat sogar den Schweizerpass und es interessiert ihn nicht, das der Pass falsch ist. Ein pseudo Schweizer lässt man leben, uns verbietet man zu heiraten. In Afrika zu heiraten ist keine Option für uns, ich kann nicht fliegen und da wäre noch das Problem wegen dem Visum und dem Familiennachzug. Ich kenne binationale Paare, die 2 Jahre warten mussten. Wissen Sie, wie man sich fühlt, wenn man Angst hat, dass der geliebte Mensch eines Tages abgeschoben wird? Wissen Sie, wie schwer es ist zu wissen, das man den geliebten Menschen nicht heiraten kann, weil eine Aufenthaltsbewilligung fehlt? Die Sicherheitsdirektion schreibt, dass ich ein ideales Opfer für eine Scheinehe bin, was ich als Beleidigung auffasse.

Lieber Toni Brunner, ich könnte Ihnen, ohne gross zu überlegen einige Namen nennen von Ausländer mit einer Bewilligung, die mit Drogen handeln und unter diesem Einfluss sogar ein Auto fahren.
Und wir...ja wir wollen eigentlich nur heiraten. Der Altersunterschied zwischen uns beträgt drei Jahre, wir leben seit 18 Monaten zusammen, zu wenig für das Migrationsamt. Ja, ich weiss. Auf mich wird eine Busse zukommen, schliesslich machte ich mich schuldig im Sinne des Gesetzes. Aber das ist mir herzlich egal, Liebe, echte Liebe kümmert sich nicht um Gesetze, es wird aber immer Menschen geben, die das nicht verstehen.

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