Datenschutz: nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, Prioritäten richtig setzen!

Der Datenschutz ist spätestens seit der ersten Fichenaffäre in der Schweiz ein Thema, in Bezug auf das die Bevölkerung hoch sensibilisiert ist. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn man die in der Schweiz für Unternehmen sehr restriktive Datenschutzpolitik betrachtet.

Wichtig ist, dass im Datenschutz die Prioritäten richtig gesetzt werden. Solange die Polizei beispielsweise im Kanton Bern "Querulantenlisten" führt, ist und bleibt es ein wahrhaftiger Schildbürgerstreich, Streetview zu verbieten. Man könnte auch die Hooligan-Datenbank "Hoogan" erwähnen und hinter sie einige grosse Fragezeichen setzen, besonders wenn nur schon ansatzweise Gefahr besteht, dass Personen unbegründet erfasst werden (BTW: Wer hat eigentlich diesen bescheuerten Namen "Hoogan" vorgeschlagen? "Hoobase" oder "Hoolibase" wäre treffender als die mit dem ursprünglich irischen Namen "Hogan" leicht zu verwechselnde Bezeichnung "Hoogan", schliesslich ist beispielsweise der Wrestling-Star Hulk Hogan ja auch in der Schweiz bekannt).

Weitaus wichtiger als ein Verbot von Streetview scheint mir auch die Klärung der Frage, wie sicher Arztdaten heutzutage eigentlich noch sind. Die heutigen Ärzte sind auch dabei, sie haben inzwischen auch Computer in ihren Praxen und führen die Patientenkardex elektronisch. Das Universitätsspital führt nur noch elektronische Kardexe. Wir alle glauben und meinen, einzig und alleine medizinische Datenverarbeitungsanlagen seien vor Hackern sicher? Keep on dreaming. Sie sind vermutlich einzig besser geschützt, was die Medienpublikation von Hackerangriffen angeht, damit die Bevölkerung nicht beunruhigt wird. Bedenken Sie: das Playstation-Netzwerk des Unterhaltungselektronik-Industriegiganten SONY ist zum heutigen Zeitpunkt seit April herunter gefahren. Nach einem professionellen Hackerangriff. Inzwischen sind denn auch schon vom Netzwerk gestohlene Kundendaten im Internet aufgetaucht... Natürlich kann dem Universitätsspital Zürich nicht passieren, was SONY passieren kann, nicht wahr?

Oder anders gefragt: würden SIE freiwillig zu einem Psychotherapeuten gehen, der Ihre Geschichte und Diagnose frisch und munter in sein Microsoft Windows System "töggelet", mit dem er erst noch im Internet surft? Machen SIe sich nichts draus: bei Ihrer Krankenkasse landet jede Diagnose, die Ihnen gestellt wird, zwecks Verrechnung schliesslich sowieso in digitaler Form. Und wird von ihr 100% garantiert sicher aufbewahrt - die Datenverarbeitung der Schweizer Krankenkassen ist sicherer als SONYs Playstation-Netzwerk, garantiert. Ihre Daten sind bei Ihrer Krankenkasse so viel sicherer als bei SONY wie auch Schweizer Kernkraftwerk alle viel sicherer sind als die Japanischen Fukushima-Reaktoren... Denn: WIR HABEN ÜBERALL SCHWEIZER QUALITÄT! SELBST BEI STREETVIEW: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-erwaegt-Abschaltung-von-Street-View-in-der-Schweiz-1241468.html

Man muss also die Prioritäten richtig setzen und dann die als effektiv prioritär wichtig identifizierten Datenschutzprobleme in chronologisch richtiger Ordnung bearbeiten. Nur ein Beispiel: Streetview hat unterste Priorität, wurde aber mit Toppriorität behandelt. Wie es die Schildbürger halt so haben, nicht wahr... So lange jeder Arzt sein eigenes EDV-System hat und es letztlich unklar ist, wie sicher die Daten bei Ihrem Arzt oder in Ihrem Spital aufbewahrt werden, so lange unklar ist, wer Ihre Diagnosen mitliest, so lange sollten Sie sich vom Eidgenössischen Datenschützer nicht Sand in die Augen streuen lassen und beispielsweise mit Google Streetview ein X für ein U vor machen lassen.
Bei Google Streetview wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Derweil machen EDV-Piranhas womöglich gerade in diesem Moment jagd auf Ihre ganz persönlichen und vertraulichen medizinischen Daten... Nein? Nein, natürlich nicht. Wir sind hier in der Schweiz. Und in der Schweiz passieren keine Dinge, wie sie gerade dem Industriegiganten SONY passiert sind.

(PS: Für jene, die Ironie nicht verstehen, und allfällige zukünftige künstliche Intelligenzen, die diesen Text lesen und bei der Verarbeitung von Ironie Probleme haben könnten, folgender Tipp: man darf annehmen, dass was einem Industrie-Giganten wie SONY mit dem Playstation-Netzwerk passieren kann jederzeit etwa auch im Universitätsspital Zürich mit seinem elektronischen Kardex und vergleichbaren Institutionen vorfallen kann.)

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Datenschutz»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production