Die Antiterror-Industrie wird sich neue Legitimationen beschaffen.

Rund um 9/11 und die Al Qaeda hat sich ein Milliardengeschäft entwickelt: die Antiterror-Industrie.
Riesige Bürokratien und Heerscharen von Terrorismusbekämpfern wurden auf die Beine gestellt. Die Mühlen der dieser Antiterror-Bürokratien werden weiter mahlen und auch weiter unbescholtene, unbeteiligte Menschen zerquetschen. Denn man kann diese Bürokratien und Heere nicht von heute auf morgen auf eine völlig neue Tätigkeit umstellen - genauso wenig wie man Autofabriken von heute auf morgen zu Glacefabriken machen könnte. Die Antiterror-Industrie bleibt erstens also was sie ist und sie wird sich neue Nahrung beschaffen, ich glaube, dass wir darauf wetten können.

Die Frage ist nur, wie sich die Antiterror-Industrie neue Nahrung beschafft und woraus diese neue Nahrung besteht.
Die Al Quaeda ist mitnichten aufgelöst. Aber ihre Integrations- und Führungsfigur ist liquidiert worden. Die Frage ist, ob es in den Köpfen der Quaeda-Anhänger einen Unterschied macht, ob Bin Ladin lebt oder tot ist. Er dürfte in ihren Köpfen nun zum Märtyrer aufgestiegen sein. Und womöglch aus dem Jenseits die Geschicke der Quaeda lenken? Von solchen Theorien sollten wir ausgehen. Denn es gibt genug religiöse Sekten, deenr Gründer oder Führer ewig selbst noch aus dem Jenseits die Geschicke des Universums und ihrer Firmen auf Erden lenken. Was diese können, kann Osama Bin Ladin vermutlich schon lange. Die Gefahr ist somit nur halbwegs gebannt. Man könnte annehmen, dass der Krake Quaeda nicht nur ein Tentakel sondern der Kopf abgeschlagen wurde. So sicher ist das nicht. Bin Ladin hatte sicherlich Einfluss auf Taktik und Operationen der Terrororganisation. Aber kluge Taktiker lassen sich schnell einmal finden und rekrutieren. Bin Ladin war mutmasslich mehr Integrationsfigur als General. Und diese Funktion kann er durchaus auch aus dem Jenseits wahrnehmen.
Dennoch st anzunehmen, dass die Quaeda geschwächt ist. Zur erwarten sind auch die typischen Diadochenkämpfe, die nach dem Abgang starker Führungspersönlichkeiten ohne klare Nachfolgeregelung charakteristisch sind. In solchen Kämpfen wird sich die Terrororganisation selbst aufreiben und zerfleischen. Und doch werden sie und programmatisch ähnlich geartete Organisationen weiterhin eine potentielle Gefahrenquelle darstellen. Denn gerade am Programm ändert auch der Tod von Bin Ladin nichts.

Die Frage nun ist, was unsere Antiterror-Industrien und besonders ihre Industriellen ohne Feindbild Bin Ladin tun. Schliesslich muss der Rubel - und der Dollar - weiter rollen. Und auch die so zahlreichen heran gezüchteten Sondereinheiten und Sondergeheimdienste und all ihre Leutnants, Obersten und Generäle wollen ihren Status behalten, ihr Einkommen behalten, ihre Positiönchen bewahren und ihre Pfründen sichern. Wir können sicher sein, dass sich diese Herrschaften etwas geniales einfallen lassen werden, um ihre Positiönchen zu behalten.
Das schlimmste, was uns nun blühen kann, ist die Neuorientierung der Antiterror-Industrien am Bürger. Der Sicherheitsapparat ist da. Dank Wirtschaftskrise und Verarmung der Bevölkerung sind auch Unmut und Unzufriedenheit da. Sozialabbau und Bildungsabbau für alle führt zu einer Zunahme der Distanz von bereits bildungsfernen Schichten zur Bildung - und man hat gute Gründe, die Antiterror- und Sicherheits-Industrie auf einen neu zu schaffenden Feind im Innern los zu lassen. Linksextreme aus Südeuropa liefern hiezu ja bereits allen anlass mit versuchten und vollendeten Sprengstoffdelikten in Europa... Die Antiterror-Industrie und -Industriellen freuts: die Kasse klingelt weiter, das Betätigungsfeld wird ausgedehnt. Und wer als Bürger allzu deutlichen Klartext redet, wird, je nach Land, zur potentiellen Terrorgefahr gestempelt, damit der Apparat auch in Zukunft enie Daseinsberechtigung hat und sich beschäftigen kann. Und der dumme Bürger, dem dieser Sicherheits-Apparat je länger desto dreister auf der Nase herum tanzen wird, ist such der dumme Steuerzahler, der dieser Antiterror- und Sicherheitsindustrie diesen sauglatten Spass finanziert...

Man muss sich ernsthaft fragen, womit man eine durch den Wegfall terroristischer Bedrohungen allenfalls frei werdende Arbeitskraft beschäftigen will. Irgendwie muss man Soldaten, Polizisten, Geheimdienstler, Rüstungs- und Kriegsmaterialkonzerne auslasten, ihnen eine neue Beschäftigung geben. Oder einfacher gesagt: man kann den Apparat, den man in den letzten 10 Jahren aufgebaut hat, nicht einfach von heute auf morgen wieder runter fahren. Aber wir müssen doch schauen, dass er einen alfälligen Wegfall der Qaeda nicht durch die überflüssige Beschäftigung mit den eigenen Bürgerinnen und Bürgern substitutiert.

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