Steigende Gesundheitskosten bei gleichzeitigem Qualitätsabbau ist eine tickende Zeitbombe, die dereinst hart in die Luft fliegen wird.

Ich staune immer wieder über die schildbürgerliche Dummheit so mancher Politiker.

Ich weiss natürlich, dass ich mich mit einer solchen Aussage aufs stilistische Glatteis wage und Gefahr laufe, dafür selber diskreditiert zu werden. Genüsslich erinnere ich mich an die Aussage eines Mitglieds der Piratenpartei hier auf politnetz.ch, man solle eine Art Intelligenztest einführen als Voraussetzung für die Erteilung des Stimm- und Wahlrechts, und besonders an die Reaktionen darauf, siehe: http://nationalratdebatte.politnetz.ch.

Auf der einen Seite gibt es eine medizinische Grundversorgung oder das, was wir alle eigentlich unter medizinischer Versorgung verstehen. Und dann gibt es auf der anderen Seite Luxus und Schnickschnack, den ein Teil der Gesellschaft als medizinische Versorgung missversteht und Anspruch darauf als Teil der Grundversorgung erhebt, so zahllose wissenschaftlich im Experimentierstadium befindliche nichtschulmedizinische aber doch kassenpflichtige Methoden. Gleichzeitig ist zahnmedizinische Grundversorgung kein Bestandteil der medizinischen Grundversorgung. Man kann also guten Gewissens von einem schildbürgerlichen Krankenversicherungssystem sprechen.

Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, wie wird die eigentlich genau verursacht? Ich habe keinen einzigen Beitrag gefunden, der wirtschaftswissenschaftlich konkret ausführt und auflistet, worin die Kostenexplosion des Gesundheitswesens bzw. die Verteuerung der medizinischen Versorgung genau begründet liegt.

Wir sollten uns trotzdem alle sehr genau bewusst machen, was für Konsequenzen im Gesundheitswesen als Folge der derzeitigen Kostenentwicklung bevorstehen: eine Klassenmedizin wie in den USA. Wer das Geld hat, kann sich medzinische Versorgung leisten, wer kein Geld hat, kann hoffen und zu Gott beten, dass er die nötige Behandlung doch erhält. Das ist die Zukunft, und derweil schwätzen die Politiker, ein mal mehr, um den Brei herum.

Es wird wenig nützen, am Krankenversicherungswesen herum zu basteln oder gar am Gesundheitswesen selbst zu basteln, um die Kosten zu senken, wenn man noch nicht einmal den Mechanismus und die zugrunde liegenden Faktoren der Kostenexplosion verstanden hat. Der eine Mechanismus der nach oben drehenden Kostenspirale ist der, dass die derzeitigen wirtschaftlichen Nutzniesser des Systems kein Interesse haben, die Kosten der medizinischen Versorgung zu senken, weil sie Profite einbüssen würden. Aber es gibt noch eine Menge weiterer Faktoren, die das Gesundheitswesen stetig verteuern und je länger desto mehr zum Luxusgut machen.

Es gibt nun Schläulinge in der Politik und im Gesundheitswesen, die die Kosten durch einen offenen oder einen verdeckten Qualitätsabbau zu senken versuchen - und Novartis-Vasella verdient trotzdem weiterhin Jahr für Jahr unanständige Boni. Die politische Prioritätensetzung im Gesundheitsbereich ist offensichtlich.
Der verdeckte Qualitätsabbau ist allerdings ein Problem. Hat der Qualitätsabbau Schädigung von Patienten zur Folge, wären diese in den USA zum Beispiel in der Lage, Ärzte- und Spitalpfusch gerichtlich einzuklagen und Schadenersatz in Millionenhöhe zu fordern. Man übt sich hierzulande in Qualitätsabbau, aber für daraus resultierende gesundheitliche Schäden wird niemand ordentlich haften, nicht nur würden die Spitäler die Schuld auf die Politiker abschieben, die helvetisch Justiz speist Geschädigte bekanntlich traditionell mit Brosamen ab, die faire, gerechte Entschädigung ist in der Schweiz und möglicherweise in ganz Europa im Unterschied zu den USA ja unbekannt. Man kann es sich also auf der Basis dieser Justiz sogar leisten zu pfuschen und die Qualität abzubauen. Man wird von der Schweizerischen Justiz ja nicht in die Haftung genommen für Schäden, die aus Qualitätsabbau resultieren. Hier zum Beispiel wäre politisch ein Hebel anzusetzen. Wie schon die Ausschaffungsinitiative der Justiz vorschreiben musste, was sie tun muss (obwohl sie es basierend auf den vorher gegebenen Gesetze auch schon tun sollte), muss womöglich dereinst eine Entschädigungsinitiative der helvetischen Justiz vorschreiben, was sie tun muss, obwohl sie es basierend auf den heutigen Gesetzen schon tun könnte?

Ich habe im Tagesanzeiger gelesen, dass horrende Zustände im Gesundheitswesen herrschen: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Pflegepersonal-prangert-Zustaende-in-Zuercher-Spitaelern-an/story/11830483
Der schleichende Qualitätsabbau ist das eine. Die Methoden, die Angestellten zu regelwidrigem Verhalten zu zwingen, zu mobben und zu nötigen, sind aber schlichtweg kriminell, sie erinnern 1:1 an die Schauergeschichten über den Kommunismus im ehemaligen Ostblock...

Die Politik sollte dringend aufhören, solche Missstände zu vertuschen und schönzureden. Und die verantwortlichen Politiker sollten zurück treten und fähigeren Leuten Platz machen. Und zwar heute noch. Nicht erst morgen.
Was fähigere Politiker bringen? Sie eliminieren die treibenden Faktoren der unproportional schnellen Teuerung im Gesundheitswesen. Dabei denken sie über die Nasenspitze hinaus, das heisst sie basteln nicht einfach kurzsichtig am Krankenkassenwesen herum, weil sie meinen, mit einer Einheitskasse quasi synergetisch ein paar Rappen sparen zu können (der Schuss könnte auch nach hinten raus gehen, wenn die Einheitskasse als Monopolist die typischen Marotten eines Monopolisten an den tag zu legen beginnt...), und sie basteln auch nicht hirnrissig am Gesundheitswesen selbst herum, wo sie am falschen Ende sparen und damit andernorts teure Nachbehandlungen verursachen zum Beispiel... Kluge Leute analysieren das ganze ganzheitlich und setzen die Hebel überall dort an, wo sie anzusetzen sind, um die Verteuerung des Gesundheitswesens zu stoppen und die Kosten wieder auf ein erträgliches Niveau zu senken.
Aber mit kriminellen Methoden die Qualität senken und die Geschädigten werden dann noch von der Justiz um die Entschädigungen geprellt, das läuft nicht, das macht die Leute nur sauer, und irgendwann fliegen dann wieder die Pflastersteine deswegen...

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